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Alle Jahre

Erlanger Nachrichten, 29.06.2010

Unendliche Klangweiten

Faszinierend: Geistliche Werke beim ersten Jubiläumskonzert von "Vocanta"

In 25 Jahren ist der Erlanger A-ca­pella- Chor von den "Grillen" zu "Vocanta" gewachsen, vom engagier­ten Leiter Joachim Adamczewski kom­petent zu chortechnischer Perfektion geführt. Im Jubiläumsjahr veranstaltet "Vocanta" gleich zwei Fest-Konzerte, wobei das erste am Wochenende geistliche Chormusik bot.

Was für ein Kontrast! Gerade hatte die deutsche Fußball-Elf das Stadtzen­trum in kollektiven Jubel-Taumel gestürzt, als "Vocanta" in der Neu­städter Kirche sein 25-jähriges Beste­hen mit Werken beging, die an Strenge und Schwierigkeit kaum zu überbieten sind.

Achtstimmig eröffneten die Sänger mit Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 226 "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf". Eine Aufwärm­phase gibt es hier nicht, spontan sind sämtliche Fähigkeiten präsent, wird in erstaunlicher Ruhe glasklar dekla­miert. Jede Stimme ist so sicher, dass nichts gepresst werden muss, keine Hemmungen zu überspielen sind. Aus­gesprochen eindrucksvoll auch der Sopran, der in aller Natürlichkeit per­fekte Intonation bietet und leuchten­den Glanz auf die Ensembleleistung setzt. Für Ralf Vaughan Williams' Messe in g-Moll treten die Solisten Franziska Büdke (schlanker, dennoch warmer Sopran), Renate Kaschmieder (Alt, sehr innig), Martin Platz (anfangs etwas gepresster, dann hell strahlender Tenor) und Felix Rathge­ber (Bass, sehr gut zum Gesamtklang passend nicht zu dunkel) zum A-ca­pella- Chor.

Gemeinsam schafft man unendliche Klangweiten, die sich in die verschie­densten Richtungen bewegen und ent­wickeln. Sehr detailliert abgewogen erwachsen dynamische Schattierun­gen und harmonische Tongebilde, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen. Adamczewski äußert seine Wünsche an das Vocal-Ensemble mit großer Bewegung, überrascht dieses aber nie, sondern erfüllt eher dessen identische Interpretations-Vorstellung. Da ent­steht eine Einheit, die zu besonderer Intensität der Darbietung führt.

Einfühlsame Cellistin

Zum Jubiläum ein Stabat Mater, dazu entscheidet sich nicht jeder Klangkörper - "Vocanta" möchte man dafür danken! Knut Nystedt hat sich, wie manch anderer Komponist, mit der Situation der Mutter Maria am Kreuz ihres Sohnes auseinanderge­setzt und aus den Kehlen von "Vocanta" erklingt nun das Leid die­ser Frau, der ganzen Welt in eindring­licher Intensität. Kaja Kuen, die ein­fühlsame Cellistin aus Erlangen, gibt diesem Elend mit ihrem technisch per­fekten Spiel eine zusätzliche Stimme - komponiertes, gesungenes, gespiel­tes Ende der Welt...

Nachtlieder sind in der Romantik auch tendenziell auf den Tod und die Hoffnungslosigkeit gerichtet. Zwei Nachtlieder schuf Joachim Adam­czewski für vierstimmigen Chor und Cello nach Gedichten von Hermann Hesse. "Vocanta" sind sie auf den Klangkörper geschrieben, denn auch hier werden feinste dynamische, rhythmische und Ausdrucksnuancen verlangt. Die Lautmalerei gipfelt in den Regentropfen des Cello-pizzicato. Hatte bei diesem Konzert die sänge­rische Leistung, die gestalterische Erarbeitung jedes kleinsten Details grenzenlos beeindruckt, so bot beson­ders der dritte von Johannes Brahms' Fest- und Gedenksprüche op. 109 für achtstimmigen Chor a capella dann doch noch eine Ahnung von Jubel, der aber auch wieder mit großem Ver­ständnis aus verschachtelten Kon­struktionen herausziseliert wurde.

Sehr stark, voller Bewunderung war der Applaus für dieses schwere, doch faszinierende Konzert. Wie unterschiedlich man doch fei­ern kann.

CORA UITTING

 

 

Nordbayerische Nachrichten, 11.05.2010

Ausklang mit Cello



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Elke Seyb

 

 

Der Fränkische Tag, 20.03.2010

Herausragende Stimmen betörten in der Martinskirche

Der Chor "Vocanta" trat in Forchheim auf. Passion und Auferstehung waren die Themen.

Heuer feiert der Erlanger Chor "Vocanta" 25-jähriges Bestehen. Die vormalige, etwas volkstümliche Bezeichnung des Chors - "Erlanger Grillen" - wurde vor einiger Zeitgegen den anspruchsvolleren Begriff "Vocanta" eingetauscht.

Auf dem Jubiläumsprogramm stehen Konzerte verschiedenster Thematik an mehreren Orten Frankens, von denen eines unter dem Motto "Passion und Auferstehung" in der St. Martinskirche in Forchheim zum Vortrag kam. Auch diese Veranstaltung unter der Leitung von Joachim Adamczewski bestätigte wieder die anerkennende Feststellung eines Kritikers: "Stimmbänder als betörendes Instrument".

Nicht angemessen

Bedauerlicherweise gab eine unförmig und lieblos gestaltete Programmvorlage keine Auskunft über die Namen des Chorleiters, der Solisten oder des Organisten; noch klärte sie über exaktere Definitionen wie Choral, Kantate, Motette oder anderes auf.

Mit sauberem Sopraneinsatz und den unmittelbar darauf folgenden anderen Stimmen wurde mit dem fünfstimmigen "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz (1585-1672) eine gute Anfangsnote gesetzt. Der Hymnus "In adventu Domini", ein gregorianischer Gesang vom Renaissance- Komponisten Guillaume Dufay (1400- 1474) ist natürlich für gemischten Chor musikalisch reicher gestaltet als uns das von den andächtigen, aber doch monotonen Mönchsgesängen her bekannt ist. Hugo Distler (1908-1942), der gebürtige Nürnberger, schuf einen neuen Stil der evangelischen Kirchenmusik, der - wie im Konzert im "Fürwahr, er trug unser Krankheit" zum Ausdruck kam - sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Musikcharaktere verbindet.

Schlicht und doch innig

Kirchenorganist Reichel verstand es, die Einfachheit eines Bach-Chorals wie "Mensch bewein dein Sünde groß" zur Geltung zu bringen und die dadurch dem Schlichten oft anhaftende Innigkeit zu vermitteln.

Das "Kyrie eleison", von Ralph Vaughan Williams (1872- 1958) komponiert und vom Chor und vier jungen Solisten aus der Chorgemeinschaft gesungen, klang beeindruckend mit einem Hauch von mehrstimmiger Klangharmonie aus. Eine besondere Herausforderung für Dirigent und Chor war Bachs, von zwei vierstimmigen Chorgruppen gestaltete "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf". Der zumTeil spielerisch wirkende "Echogesang" der acht Stimmen ließ vorausgegangene, intensive Chorarbeit erahnen.

Nach dem Orgelspiel "Fantasie in c-moll" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) erklang das "Pater noster" von Jacobus Gallus (1550-1591), in dem sich das musikalische Kernthema stimmenspezifisch wiederholte. Gerald Fink, 1969 geboren, schuf mit seiner Komposition "Von Jahr zu Jahr" ein modernes Werk mit zarten und harmonischen Klangpartien.

Höhepunkt des Konzerts könnte Anton Bruckners "Locus iste" gewesen sein, das nicht nur in seiner ergreifenden Art, sondern auch durch die einfühlsame Vortragsweise beeindrucken musste.

Johannes Brahms (1824- 1897), einst mit Anton Bruckner befreundet, schuf mit seinem "Wo ist ein so herrlich Volk" - für achtstimmigen, gemischten Chor bestimmt - ein Werk, das für einen würdigen Konzertabschluss sorgte.

Eberhard Heiser

 

 

Nordbayerische Nachrichten, 17.12.2009

Stehender Applaus für Vocanta Chor

Sänger gestalteten in Höchstadter Stadtpfarrkirche das Thema "O magnum mysterium"

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Nordbayerische Nachrichten, 06.10.2009

Feinfühlige Musik als Trost bei Tag und Nacht

Komponist Gerald Fink stellte bei viel beklatschtem Konzert neue Werke vor - Kongeniale Musikerauswahl

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ese

 

 

Erlanger Nachrichten, 28.07.2009

Domartige Klangwucht und abrupte Umschwenkungen

Chorensemble "Vocanta" präsentierte in der Neustädter Kirche eine Hommage an Felix Mendelssohn Bartholdy

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WOLFGANG G.P. HEINSCH

 

 

Nordbayrische Nachrichten, 09.04.2009

"Vocanta" hauchte der Passion Leben ein

Von Barock bis zur Moderne sang das glänzend harmonierende Ensemble in Forchheim

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Udo Güldner

 

 

Erlanger Nachrichten, 01.04.2009

Stimmbänder als ein betörendes Instrument

Überzeugendes "Vocanta"-Konzert

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WERNER VEITH

 

 

Erlanger Nachrichten, 27.03.2009

Passionsgeschichte und Sonnengesang

Konzert mit "Vocanta" am Sonntag

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Nordbayerische Nachrichten, 15.12.2008

Schönes Kontrastprogramm mit "Vocanta"

Ausgezeichneter Chor sang zum Abschluss der Reihe "Fünf nach Fünf" in Höchstadt

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khp

 

 

Fränkische Landeszeitung, 17.11.2008

Lichte Klarheit

Eindrucksvoll: "Vocanta"

MÖRSACH - Wenn sich der "Fränkische Sommer" bis in den späten Herbst hinein zöge, könnte das Ergebnis so sein, wie das Konzert am vergangenen Samstag in der Mörsacher Kirche. Denn man vermutet ja inzwischen immer den "Fränkischen Sommer" am Werk, wenn Musik und Interpreten an einem Ort zu erleben sind, an dem sie sonst keiner vermuten würde. Dass Joachim Adamszewski mit seinem Chor "Vocanta" und dem "Orchester con fuoco" in Mörsach eineinhalb Bach-Motetten und das Mozart-Requiem zum Besten gaben, hatte freilich einen anderen Grund.

Mörsach hat seine eigenen Musikreihe. Das Künstlerehepaar Elke und Reinhard Zimmermann richten sie seit 20 Jahren aus, seit fünf Jahren dabei vom Förderverein "mundus artis" unterstützt. Die runde Jahreszahl war Anlass genug für eine Fest-Saison. Einer deren Höhepunkte war nun das Vocanta-Konzert. Vocanta? Vocanta hatte sich als "Erlanger Grillen" einen Namen gemacht. Im Sommer nun streifte der Chor den Namen, der sich ein bisschen wandervogelhaft unbekümmert gab, ab und ersetzte ihn durch einen modisch-italienisierenden.

Das hohe Niveau des Chores und die künstlerische Kompetenz seines Leiters sind natürlich geblieben. In der nicht eben großen Antoniuskirche zu Mörsach, deren Akustik also nichts Beschönigendes hinzufügen kann, trat das für einen Liebhaberchor außerordentliche Niveau offen zu Tage. Er bestach durch Homogenität, Agilität, den feinen Grundklang und die Textverständlichkeit.

Wortbewusste Klarheit

Adamszewski näherte sich Mozarts Requiem über Bach. Das ist immer eine probate Hinführung, untypisch war, dass Adamszewski keine Kantate wählte, sondern zwei Begräbnismusiken a-cappella: "Fürchte Dich nicht" und "Singet dem Herrn ein neues Lied", merkwürdigerweise nur dessen zweiten Teil. Wie auch immer, Adamszewski interpretierte die Motetten mit wortbewusster Klarheit, die aus der Ruhe Kraft und Intensität schöpfte und sich dabei bis zur schwerelos dahin tanzenden Fugen-Virtuosität aufschaukelte. Bemerkenswert auch der zarte, helle Chorklang, dessen Charakter zwischen keusch, knabenhaft und abgeklärt modulieren konnte. Frappante Wirkungen waren so möglich. Herrlich etwa, wie sich die Motette "Fürchte Dich nicht" in letzten Takten bei "Du bist mein" auflichtete. Solche Qualitäten prägten auch das Mozart-Requiem. Vocanta dominierte es. Das Kammerorchester "con fuoco" sekundierte untadelig, durchsichtig und schlank, besaß allerdings nicht die Geschlossenheit des Chores.

Reizvolle Polarität

Apart war die Polarität, die sich zwischen dem exzellenten Solistenquartett und Vocanat herstellte. Adamszewski gab dem Chorpart liturgische Allgemeingültigkeit und überpersönliche Aussagekraft. Er kultivierte Transparenz und Klangschönheit noch in den dramatischen und expressiv ausgeformten Abschnitten. Das junge, präsente Solistenquartett - Franziska Büdke, Johanna Sander, Johannes Gaubitz und Felix Rathgeber - brachte individuelle Emotionalität ein. Selbst noch so kleine Solo-Stellen trafen Wesentliches. Besonders in Erinnerung blieb etwa Franziska Büdke beim "Lux aeterna luceat", das ihr innig und bewegend glückte. Hervorhebenswert auch die lyrische Eindringlichkeit, mit der Johannes Gaubitz den Tenorpart gestaltete.

Joachim Adamszewskis Deutung mied, aufs Ganze gesehen, Extreme, schien die versönlichen und zuversichtlichen Aspekte des Requiems herauszustellen. Um so überraschender war dadurch der Schluss, den Mozart, hätte er ihn selbst vollenden können, vielleicht anders gefasst hätte, der so aber eine eigenartig skeptische Modernität besitzt, die zugleich archaisch anmutet: Das Requiem schließt weder in Dur noch Moll. Nur mit einem leeren Quint-Klang. Ein offenes, ungewisses Ende, majestätisch und schauerlich stand es im Kirchenraum, bevor es der lange Applaus vertrieb.

Thomas Wirth

 

 

Erlanger Nachrichten, 11.11.2008

Prangende Harmonik

Konzert mit Mozart-Requiem in der Neustädter Kirche

Eingeleitet mit den beiden Motetten "Fürchte Dich nicht" und "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Johann Sebastian Bach, stand Wolfgang Amadeus Mozarts 'opus ultimum', das "Requiem für vier Solostimmen, Chor und Orchester" KV 626, im Mittelpunkt von Aufführungen in der Neustädter Kirche und Tags darauf in der St. Michaelskirche in Neunkirchen am Brand. Franziska Büdke (Sopran), Renate Kaschmieder (Alt), Johannes Gaubitz (Tenor) und Felix Rathgeber (Bass) musizierten zusammen mit dem Chorensemble "Vocanta" (die früheren "Erlanger Grillen") und dem Kammerorchester "con fuoco" unter der Leitung von Joachim Adamczewski.

"Da der Tod genau zu nemmen der wahre Endzweck unsers lebens ist, so habe ich mich seit ein Paar Jahren mit diesem wahren, besten freunde des Menschen so bekannt gemacht, ... - ich lege mich nie zu bette ohne zu bedenken, daß ich vielleicht so Jung als ich bin den andern Tag nicht mehr seyn werde ..." schreibt Mozart am 3. März 1787 an den Vater. Und gerade diese geistige Haltung dürfte ein wichtiger Schlüssel zum Eintritt in Geist und Musik des Requiems sein. Es ist nicht ausschließlich erdenlastiges "Jammertal", sondern zugleich - in und aus fast positiver Gefühlsverfassung - lösungsgerichtet.

Gezackte Begleitfiguren

Herrscht noch zu Beginn des Introitus "milde Resignation", so symbolisieren die gezackten Begleitfiguren des Orchesters bei den Worten "Exaudi orationem meam" mehr Auflehnung als Bitte. Gesamt greift er immer wieder auf "illustrative Elemente" zu: "Lautstärke als physische Bedrohung, gegeneinander getriebene melodische Linien zwischen Chor und instrumentalem Fundament, Pauken und Trompeten zur scharfen Akzentuierung suggerieren die seit dem Mittelalter Angst einflößende Vorstellung von Chaos zum Weltuntergang". Und "Rex tremendae" spiegelt höfische Klänge: punktierte Rhythmen, prangende Harmonik.

Mozarts Musik zwischen diesen Erlebnisschichten des freimaurerischen Aufbegehrens und einer gläubigen, stillen Demut hin- und her schwankend umzusetzen, kann sich Joachim Adamczewski auf einen stimmfiligran agierenden Chor stützen, der auf samtweichem Chorklangboden die Fülle der Gefühlszustände einfühlsam und zugleich ausdrucksstark entwickelt, ein schattierungsreiches, dynamisch und akzentmäßig differenziert agierendes Orchester, und eine Solistengruppe, der das Dienen an der Musik noch lebendiges Künstlertum bedeutet. Eine Verbeugung vor dem Geist des Komponisten und eine große Aufführung des Mozart'schen Werkes, die tiefe Seelenschwingungen hinterließ.

WOLFGANG G. P. HEINSCH

 

 

Erlanger Nachrichten, 23.10.2008

Neuer Namen und altbekannte Tugenden

Rat des "Sprachverpackers": Der Kammerchor Erlanger Grillen heißt ab sofort "Vocanta"

Neuer Name - "alter" Chor: Der "Kammerchor Erlanger Grillen" hat sich in "Vocanta" umbenannt.

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smö

 

 

Nürnberger Nachrichten, 24.04.2007

Erlanger Chor in der Kreml Rüstkammer

Gelebte Städtepartnerschaft: Die "Grillen" als Kulturbotschafter in Wladimir und Moskau

Kröneneder Abschluss der Konzertreise war für die "Grillen" sicherlich der gutbesuchte Auftritt in der Rüstkammer des Kremls in Moskau, in der sie vor dem Konzert auch noch eine Führung durch das Museum mit seinen kostbaren Schätzen bekamen. Das Programm umfasste ein Repertoire an geistlichen und weltlichen Werken. Neben den deutschen Komponisten Schütz, Bach und Brahms kamen besonders die deutschen Volksliedbearbeitungen von Barbe an. Für Erläuterungen zu den deutschsprachigen Stücken sorgte der Erlanger Partnerschafts-Brauftragte Peter Steger. Nicht nur der Fernsehsender TV Wladimir6 forderte: "Die "Grillen" und "Raspew" sollten ernsthaft über gemeinsame Konzerte nachdenken."

Dem Besuch des Chores "Raspew" aus Erlangens russischer Partnerstadt Wladimir im Januar folgte nun in der Karwoche der Gegenbesuch des damals gastgebenden Kammerchores Erlanger "Grillen".

Der Chor wurde sehr herzlich begrüßt und durch die stellvertretende Bürgermeisterin von Wladimir, Frau Guskowa. In der Stadtverwaltung empfangen. Die "Grillen" bedankten sich ihrerseits für die Gastfreundschaft ( der größte Teil der Sänger wurde wiederum privat bei "Raspew"-Chormitgliedern aufgenommen) mit Erlanger Präsenten und natürlich ? mit Gesang.

Die "Grillen" erlebten eine intensive und freundschaftliche Woche mit interessanten Führungen in Wladimir und Ausflügen in weitere Städte des "goldenen Rings". Konzerte fanden in der Musikschule und im Glasmuseum von Gus-Chrustalnjny sowie im Zentrum der Bildenden Künste in Wladimir statt. Diese beiden Veranstaltungen waren sehr gut besucht und wurden vom begeisterten Publikum mit warmen Applaus sowie stehenden Ovationen, Blumen und Geschenken belohnt. Auch der örtliche Fernsehsender TV Wladimir6 berichtete darüber. Die Kommentatoren gerieten regelrecht ins Schwärmen: "Schon beim Einsingen wird klar: Die Erlanger Sänger nennen sich zwar Laien, aber das Konzert verspricht einmalig zu werden."

en

 

 

Erlanger Nachrichten, 22.01.2007

Ausgezeichnete Grillen

Preis 2007 der Kulturstiftung beträgt 5000 Euro

Eines der schönsten und wohlklingendsten Beispiele unter den "Botschaftern des Erlanger Kulturlebens", so sagte es Laudator Rupprecht Kamlah, wurde am Sonntagvormittag im SiemensForum mit dem Förderpreis der Erlanger Kulturstiftung 2007 ausgezeichnet: die Erlanger Grillen, genauer: der Kammerchor der Erlanger Grillen.

Dass der diesjährige Kulturförderpreis der Kulturstiftung Erlangen in Höhe von 5000 Euro an den Kammerchor Erlanger Grillen unter der Leitung von Joachim Adamczewski geht, wurde von Kulturstiftung- Geschäftsführer Ex-Stadtkämmerer Gerhard Wangemann vorab schon einmal mit der Qualifikation "hochkarätiges Ensemble" begründet - die "Grillen", so Wangemann, begeisterten seit 20 Jahren ein aufnahmebereites Publikum, dem sich die Kulturstiftung mit ihrer Preisvergabe nur anschließen könne. Dass sie dies überhaupt könne, habe mit der guten finanziellen Ausstattung der Stiftung unter ihrem Vorstand Hermann Franz, Alfred Bomhard und Robert Niersberger zu tun - immerhin seien seit 1999 schon über 250 000 Euro ausgereicht worden.

Familiär vorbelastet

Preis-Laudator Rupprecht Kamlah musste seinen Part erst einmal erklären: Da sein Vater Wilhelm ebenfalls Leiter eines überaus anhörbaren Chors - des Collegiums Cantorum - gewesen und er somit familiär wie auch als aktiver Sänger vorbelastet sei, sei die Wahl auf ihn gefallen - "obwohl ich mich, nach guter militärischer Sitte, vorsichtshalber nicht vorgedrängelt habe". Seine anhaltende Liebe zum Chorgesang habe es ihm aber leicht gemacht, zumal der Kammerchor der Erlanger Grillen über 20 Jahre hinweg ein derart hohes Niveau aufgebaut und gehalten habe, dass es auch das Fachpublikum weit über die Grenzen Erlangens hinaus habe die Ohren spitzen lassen.

Es sei nicht zu verkennen, so Kamlah, dass ein solcher Chor nicht nur durch eine (möglichst) große Zahl guter Sängerinnen und Sänger lebe, sondern vor allem durch einen "charismatischen Chorleiter, den die Erlanger Grillen in Joachim Adamczewski gefunden haben". Einen in sich ausgewogenen Chor "mit dem reinsten Klang menschlicher Stimmen" zu schaffen, sei aber auch keine Aufgabe, die man nebenbei erledigen könne - es sei also nicht verwunderlich, wenn es im Laufe der Jahre auch Konflikte gegeben habe und ausscheidende Aktive bekannt hätten: "Das Singen bei Adamczewski ist mir viel zu fanatisch". Wer, wie der Chorleiter, durch die Schule des Windsbacher Knabenchores gegangen sei, verlange nun einmal ein sängerisch hohes Niveau und große Disziplin. Dies auch selbst vorbildlich zu tun, müsse dem Chorleiter attestiert werden.

Nach einem Blick auf die Entwicklung des Chors "vom ersten Abitur-Jahrgang des Emmy-Noether-Gymnasiums zur heutigen Stärke" sorgte Kamlah für Heiterkeit, als er die einstige Namens-Suche Revue passieren ließ: Dass die Erlanger Grillen nicht Hugenotten-Chor, Bachforellen oder Capella Voca Cola heißen, sei ebenso ein Glück wie der Umstand, dass Eheschließungen im Chor dessen Nachwuchssorgen ein wenig milderten. Singen, wie es Adamczewski zu sagen pflegt, hält offenbar nicht nur geistig fit.

pm

 

 

Nordbayrische Nachrichten, 22.06.2004

Künstlerischer Maßstab

Händels "Messiah" in Eggolsheim

Es gibt sie noch, die hochkarätige Umsetzung "ernster" Musik abseits der großen Festivals und jenseits der von Plattenmultis finanzierten Klassik-"Starparaden". Joachim Adamczewski führte mit seinem Chor "Erlanger Grillen" und dem Kammerorchester "con fuoco" in der Martinskirche zu Eggolsheim Georg Friedrich Händels "Messias" in der englischen Originalfassung auf - und setzte einen künstlerischen Maßstab, an dem sich die Konkurrenz in nächster Zeit messen lassen muss.

Händels barockes Oratorium um Geburt und Tod Jesu wird meist in der Weihnachtszeit gespielt, thematisiert aber nicht nur das Christfest, sondern auch Kreuzestod und Auferstehung. In einem durchaus dramatischen Tonfall, wie ihn der Musiktheater-Experte Händel auch und gerade in seinen Opern pflegte.

Calvinistische Askese ist also fehl am Platz, wenn man sich mit dem "Messiah" auseinandersetzt. Diese Musik transportiert Emotionen und Affekte, bringt die Heilsbotschaft Jesu in sehr kraftvoller, unmittelbar verständlicher Sprache nahe und findet in Joachim Adamczewski und seinem Ensemble emphatische Sachwalter mit viel Fingerspitzengefühl.

Den Originalklang-Verfechtern warf man einst vor, sie würden sich der Barockmusik all zu wissenschaftlich annehmen. Zu Beginn des Dritten Jahrtausends ist diese Kritik gegenstandslos geworden: Adamczewski lässt auf authentischen Instrumenten spielen; seine Sänger, Chor wie Solisten, halten sich an die Aufführungskonventionen der Händel-Zeit, verzieren ihre melodischen Linien reich mit Vorhaltenoten und Arabesken.

Die Tempi sind zügig, aber nicht so überhitzt, wie es etwa die "Musica Antiqua Köln" unter Reinhardt Goebel als ästhetisches Prinzip vertritt. Das macht Joachim Adamczewskis "Messiah" energisch, schwungvoll und lebendig, ohne ihn verhetzt oder überstürzt erscheinen zu lassen.

Ohne Schlacken

Der adrenalin-getriebene Pulsschlag tut dem Oratorium gut, denn es verliert so jegliche Betulichkeit und Behäbigkeit - pseudoromantische Schlacken, die man keine Sekunde lang vermisst. Das Ensemble trägt diesen betont straffen und unprätentiösen, aber nie seelenlos technokratisch wirkenden Ansatz mit erstaunlicher Mühelosigkeit.

Die "Grillen" verfügen nicht nur über stupende Strahlkraft (inklusive der sonst so oft "unterbelichteten" Tenöre) und schiere Stimmschönheit, sie bestechen auch durch unbedingte Präzision der Einsätze und zweifelsfreie Intonation. Gleiches gilt für das Orchester, das sich keinen falschen Ton, keinen "versemmelten" Einsatz leistet.

Bliebe das Solistenquintett, dessen sich auch Adamczewskis internationale Kollegen nicht schämen müssten. Die lyrisch timbrierte Sopranistin Silke Mändl verkündet höhensicher und mit elysisch sanft gerundeten Koloraturen die Auferstehung des Erlösers, Renate Kaschmieder gibt mit voluminösem Alt eine unbestechliche Beobachterin und Kommentatorin des Geschehens um Leben und Tod des Heilands. Anrührend der Knabensopran Julius Latus mit seinem intimen Hirten-Bild.

Philip Farmand ist Lichtjahre von jenen blutleeren Evangelisten-Tenören entfernt, die sich oft mehr schlecht als recht durch den "Messiah" quälen. Farmand geriert sich als lebensnaher, herzenswarmer Erzähler mit jugendlichem Elan.

Als idealer Widerpart verkörpert der Bass Gerhard Hess die andere Seite des Glaubens: hier der beinahe naive Überschwang des religiös entflammten Jungen, dort die aus Lebenserfahrung resultierende Zuversicht in die Gnade Gottes, die sich in dunkel leuchtenden, fein schattierten Bravourarien äußert. Dieser "Messiah" ist eine ernsthafte Alternative zu Gardiner, Hogwood und Co. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.

HvD

 

 

Erlanger Nachrichten, 25.05.2004

Schwebende Stimmen und purer Freudengesang

Der "Kammerchor Erlanger Grillen" und das "Kammerorchester con fuoco" führten Händels "The Messiah" in der Neustädter Kirche auf

Händels Messias mit dem originalen Text in einer faszinierenden und mitreißenden Atmosphäre ? in diesen Genuss sind am Wochenende rund 300 Zuhörer in der Neustädter Kirche gekommen. Von Joachim Adamczewski geleitet und von fünf Solisten unterstützt führten der "Kammerchor Erlanger Grillen" und das "Kammerorchester con fuoco" aus Nürnberg das Oratorium "The Messiah" von Händel auf.

Eingeleitet von einer einstimmenden Sinfonie setzte der Solotenor ein. Schon mit den ersten Tönen zog Philip Farmand das Publikum in den Bann der barocken Welt. Seine Stimme schwebte über dem begleitenden Orchester und die Läufe füllten die Kirche aus. In einem Wechsel aus Solopartien und Chorpassagen ging der Messias weiter. Die sehr abwechslungsreiche Musik ließ das zweistündige Konzert nie langweilig werden, immer war der Zuhörer fasziniert von den ausgedrückten Situationen und Gefühlen. Der Chor "And the glory of the Lord" etwa war purer Freudengesang, wohingegen in der virtuos von Renate Kaschmieder gesungenen Arie des Alts "He was despised and rejected" die besungene Verschmähung nahezu greifbar wurde.

Zarte Stimme

Ein Höhepunkt des Konzerts war das Rezitativ "There were shepherds abiding in the field". Gesungen wurde es im Gegensatz zu den anderen Passagen für Solosopran nicht von Silke Mändl, sondern von einem Knabensopran, Julius Latus. Der gerade erst 11-Jährige war im Stehen kaum einen Kopf größer als die anderen Solisten im Sitzen. Dennoch durchdrang seine zarte Stimme die gesamte Kirche.

Die Aufführung von Händels Messiah war sehr beeindruckend, denn alles passte zueinander: Der Chor harmonierte mit den Solisten und dem Orchester, so dass sich die Zuhörer gut in die Zeit Händels zurückversetzen konnten. Nach dem letzten Takt zeigte das Publikum seine Begeisterung mit nicht enden wollendem Applaus, Fußtrampeln, Bravo-Rufen und stehenden Ovationen.

 

 

Erlanger Nachrichten, 07.10.2003

Ein Meisterstück zum Erntedankfest

Der Kammerchor Erlanger Grillen eröffnete am Sonntag die kirchenmusikalische Saison in der Altstädter Kirche

Zum Auftakt der kirchenmusikalischen Saison in der Altstädter Kirche lieferte der Kammerchor Erlanger Grillen erneut ein Meisterstück seines Könnens ab. Umrahmt von zwei großen Bachmotetten erklangen moderne Chorwerke, die beziehungsreich ergänzt wurden durch Orgelwerke von Bach und Hessenberg, gespielt vom Altstadtkantor Wieland Hofmann.

Wie ein kleiner Lebens-Kosmos steht die Motette "Jesu meine Freude" da: Dieses so gekonnt in Musik gesetzte Lob Gottes erzählt von Freude und Zuversicht, den Stürmen des Herzens, der Not und Entsagung und der Erfüllung im Glauben. Mit immer neuen Nuancen ertönen die Choräle - schwebend leicht, dann forsch und selbstbewusst; trotzig oder entrückt wie im Traum.

Bedachtsame Dynamik

Mit Hingabe führte Joachim Adamczewski seinen Chor durch die so vielseitigen Stationen; unangestrengt folgten die Sänger jedem Wink und erfreuten mit ihrer bedachtsamen Dynamik, der klaren, geschliffenen Sprache und den treffenden Betonungen. Rein und hell erzählt der Frauenchor bevor im Tutti die tobende Welt beschworen wird, präzise erklingt die Fuge, perlend der nächste Choral.

So plastisch vertont und ebenso glaubwürdig dargeboten, war diese Motette wie ein Schlüssel für das nachfolgende Orgelwerk, Bachs Präludium und Fuge in a-Moll. Sogleich verstand man: dieselbe Sprache, die gleiche Botschaft; es bedarf nicht immer des Wortes zum Verstehen.

Nicht allzu scharf nahm das Programm sodann die Kurve ins 20. Jahrhundert. Sehr das Wort gewichtend und genau ausdeutend F. Möckls "Bedenkworte des Paulus", die sehr kraftvoll und rund in ihren vielen Homophonien vorgetragen werden.

Religiöse Innigkeit

Ganz anders die Werke Baumanns. Von zutiefst empfundener religiöser Innigkeit geprägt das "Ave verum": ein Meisterstück einer "komponierten meditativen Stille", von den Grillen genial umgesetzt. Berührende Ruhe, die sich zu einem prächtigen Amen erhebt und wieder leise verebbt. Sehr sinnfällig die oft über viele Takte hinweg ausgehaltenen Töne als Symbol des Nicht-Verlassen-Werdens im Stück "Sei getrost und unverzagt". [...]

 

 

Erlanger Nachrichten, 15.10.2002

Mit großer Hingabe

Erlanger Grillen und Wieland Hofmann interpretierten Max Reger

Als in der Altstädter Kirche die letzten Worte des ?Nachtliedes" im zartesten Pianissimo verklangen und sich in die danach eintretende Stille fortsetzten, brauste endlich der Beifall auf, den die phänomenale Leistung des Kammerchors Erlanger Grillen und ihres Leiters Joachim Adamczewski verdienten.

Im Rahmen der Erlanger Bachwoche sangen sie, unterbrochen von Wieland Hofmann an der Orgel, mit seinen fulminanten Reger-Interpretationen, ein reines Reger-Programm. Damit sollte die Verbindung von Max Reger zu Bach im Bereich der Kirchenmusik verdeutlicht werden. Dass die Reger'sche Chormusik in ihrem Ausdruck große Chormusik ist, in ihren Ansprüchen an die Aufführung aber die meiste Chormusik noch übertrifft, wissen nur Kenner. Um so erstaunlicher und beeindruckender war es, wie Joachim Adamczewski mit den 38 Sängerinnen und Sängern seines Kammerchors die Werke deutete.

Es begann mit einem überwältigend reinen und leisen Einsatz des Basses bei der Motette ?Mein Odem ist schwach" für achtstimmigen Chor. Die große Ruhe des Anfangs setzte sich fort in dem Aufbau der Stimmen, die völlig ausgewogen und mit einem einheitlichen Stimmklang die Worte deuteten, so dass z.B. bei der Aussage ?das Grab ist da" vom Klang her der Blick in das Innere des Grabes gerichtet wurde.

Sichere Intonation

Bestach der Anfang der schon durch eine absolute Intonationssicherheit auch in den wunderbar leisen Abtönungen, so glänzte der Chor erst recht in den beiden schnellen Teilen, die auf Grund der Modernität des Chorsatzes von den Sängerinnen und Sängern höchste Präzision und Konzentration verlangten, bis hin zu der Doppelfuge mit äußerst schwerer Chromatik, um dann in einer großen Steigerung den Trost in Todesnot ?Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebet" als feste Glaubenszuversicht zu verkündigen. Hier erwies sich Joachim Adamczewski über den musikalischen Gehalt hinaus als Interpret tiefster religiöser Inhalte.

Auch in der zweiten großen Motette ?O Tod, wie bitter bist du" bestätigte sich dieser Eindruck. Der Chor ließ in seiner Präzision, Intonation und klaren Diktion in keiner Weise nach. Ein Todesgemälde entstand in den fahlen Klängen, die die Bitternis des Todes existentiell verdeutlichten. Im Gegenzug dazu erklang der zweite Teil ?O Tod, wie wohl tust du" wie eine Erlösung, der man sich, dem wunderbar meditativen Klang der Stimmen ausgesetzt, einfach hingeben konnte.

Werk- und wortgetreu

Auch die drei ?Geistlichen Gesänge" aus op. 138, die am Schluss erklangen, unterstrichen noch einmal, mit welcher Hingabe, mit welcher Leistungsfähigkeit der Chor das Chorwerk Max Regers darbot, so dass ganz große Chormusik entstand, die werk- und wortgetreu und mit letzter Einfühlsamkeit Max Reger in eine Linie mit den großen Motetten von Johann Sebastian Bach stellte. Joachim Adamczewski gebührt das Verdienst, zusammen mit den anderen bestehenden Chören Erlangen zu einer Stadt der Chormusik auf hohem Niveau gemacht zu haben. [?]

 

 

Altmühl-Bote, 10.08.2002

Vollendete Darbietung

[...] Das Konzert wurde zum wohl außergewöhnlichsten und überwältigendsten in dieser Sommerreihe, und es hätte keinen würdigeren Rahmen finden können als die schlicht wießgetünchte Kirche in Aha, ohne jeden Bildschmuck, dafür aber auf das Wesentliche hinlenkend: Altar und Kanzel in schwarz und gold.

Die "Erlanger Grillen" traten zum dritten Mal in Gunzenhausen auf und rechtfertigten aus Erfahrung hohe Erwartungen. Worauf sie sich diesmal eingelassen haben, übertraf an Schwierigkeit alles Bisherige. Chormusik a-capella der Romantiker Brahms und Reger ? zumal im emotionsgeladenen Themenkreis Tod und Vergänglichkeit ? führt einen Chor an die Grenzen des Möglichen, gibt ihm aber auch die Chance, die Brillanz seines Könnens auszubrieten. Das hat der Chor getan.

Seine Vorzüge, Reinheit der Intonation, Wohlklang der Stimmen, Disziplin der Dynamik und volle Präsenz des Chors verlangte Johannes Brahms (1833 bis 1897) vom ersten Einsatz an in seinen drei Motetten. "Ich aber bin elend" - "Ach arme Welt, Du trügest mich" - "Wenn wir in höchsten Nöten sein". Die Interpretationen des Chors gehen dem Zuhörer unter die Haut. [...]

Mit dieser Zusicherung und Regers Abendlied "Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen", voll Sehnsucht nach Geborgenheit entließen die "Grillen" ihre Zuhörer aus diesem herausragenden Konzert.

 

 

Erlanger Nachrichten, 20.02.2001

"Liebe und Leben" mit Niveau

Erlanger Grillen boten unterhaltsame Chormusik der Romantik und Moderne - Modulationsfähige Diktion

Unter dem Thema "Liebe und Leben" hatte der Kammerchor Erlanger Grillen zu einem Abend mit "unterhaltsamer Chormusik der Romantik und Moderne" eingeladen, offenbar um der nicht so ernsten Jahreszeit seinen Tribut zu zollen. Was die etwa 150 Zuhörer und Zuhörerinnen im Gemeindesaal am Bohlenplatz aber vor allem im ersten Teil des Konzerts, der der Chormusik von Robert Schumann gewidmet war, zu hören bekamen, war nicht nur Unterhaltung, sondern Chormusik auf höchstem Niveau.

Der Chor brauchte kein Einsinglied, sondern begann mit den zwei Liedern nach Gedichten von Friedrich Rückert in einer hohen und ausgewogenen Gesangskultur, die den Chorleiter Joachim Adamczewski als Meister der Chorerziehung auswies. Dem kompakten und einheitlichen Chorklang kam zugute, dass die vier Stimmen in Reihen nacheinander aufgestellt waren und sich gegenseitig gut durchdrangen, auch dass Frauen- und Männerstimmen gleich stark besetzt waren, so dass keine Stimme forcieren musste, mit einer Ausnahme: In die höchsten Lagen jubelte der Sopran oft zu kraftvoll hinauf. Zu einer wahren Entdeckung geriet der Chor "Der Handschuh" nach einer Ballade von Friedrich Schiller, der mit einer Dramatik und Klarheit dargeboten wurde, so dass man in das Geschehen um die wilden Tiere, aus deren Mitte ein Ritter einen Handschuh aufhebt, voll hineingezogen wurde.

Den Höhepunkt kunstvollen Chorgesangs bildeten die sieben Lieder aus dem "Spanischen Liederspiel" op. 74. Joachim Adamczewski gelang eine kongeniale Interpretation, indem er in den ersten beiden Chören mit den zwei Frauenstimmen alle linearen und harmonischen Feinheiten der Schumann'schen Musik herausarbeitete, den Gesamtchor weit weg von aller Gefühlsseligkeit und unterhaltsamen Romantik in großen Phrasierungen und federndem Klang führte und die zwei Chormitglieder Nicole Stöhr mit ihrer ausdrucksstarken Höhe und Johannes Reinschke mit seinem baritonalen Tenorschmelz als Solisten mit je einem Lied ins musikalische Geschehen eingreifen ließ. [...]

Dann folgte die Moderne mit Kompositionen aus England, wobei aber gerade der Spätromantiker Sir Arthur Sullivan mit seinem "The Lost Chord" den stärksten musikalischen Eindruck hinterließ.

Schließlich wagte sich der Chor in die U-Musik vor mit dem Titel "Tequila Samba" und der Zugabe "Banquet Fugue" und ergötzte die begeisterte Zuhörerschaft auch da mit einem prächtigen Klang und einer modulationsfähigen klaren Diktion, so dass nach Anspruch im ersten und Unterhaltung im zweiten Teil großer und lang anhaltender Beifall Chor, Dirigenten, Pianistin und Solisten voll belohnte.