
Erlanger Nachrichten, 07.10.2003
Zum Auftakt der kirchenmusikalischen Saison in der Altstädter Kirche lieferte der Kammerchor Erlanger Grillen erneut ein Meisterstück seines Könnens ab. Umrahmt von zwei großen Bachmotetten erklangen moderne Chorwerke, die beziehungsreich ergänzt wurden durch Orgelwerke von Bach und Hessenberg, gespielt vom Altstadtkantor Wieland Hofmann.
Wie ein kleiner Lebens-Kosmos steht die Motette "Jesu meine Freude" da: Dieses so gekonnt in Musik gesetzte Lob Gottes erzählt von Freude und Zuversicht, den Stürmen des Herzens, der Not und Entsagung und der Erfüllung im Glauben. Mit immer neuen Nuancen ertönen die Choräle - schwebend leicht, dann forsch und selbstbewusst; trotzig oder entrückt wie im Traum.
Bedachtsame Dynamik
Mit Hingabe führte Joachim Adamczewski seinen Chor durch die so vielseitigen Stationen; unangestrengt folgten die Sänger jedem Wink und erfreuten mit ihrer bedachtsamen Dynamik, der klaren, geschliffenen Sprache und den treffenden Betonungen. Rein und hell erzählt der Frauenchor bevor im Tutti die tobende Welt beschworen wird, präzise erklingt die Fuge, perlend der nächste Choral.
So plastisch vertont und ebenso glaubwürdig dargeboten, war diese Motette wie ein Schlüssel für das nachfolgende Orgelwerk, Bachs Präludium und Fuge in a-Moll. Sogleich verstand man: dieselbe Sprache, die gleiche Botschaft; es bedarf nicht immer des Wortes zum Verstehen.
Nicht allzu scharf nahm das Programm sodann die Kurve ins 20. Jahrhundert. Sehr das Wort gewichtend und genau ausdeutend F. Möckls "Bedenkworte des Paulus", die sehr kraftvoll und rund in ihren vielen Homophonien vorgetragen werden.
Religiöse Innigkeit
Ganz anders die Werke Baumanns. Von zutiefst empfundener religiöser Innigkeit geprägt das "Ave verum": ein Meisterstück einer "komponierten meditativen Stille", von den Grillen genial umgesetzt. Berührende Ruhe, die sich zu einem prächtigen Amen erhebt und wieder leise verebbt. Sehr sinnfällig die oft über viele Takte hinweg ausgehaltenen Töne als Symbol des Nicht-Verlassen-Werdens im Stück "Sei getrost und unverzagt". [...]