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Erlanger Nachrichten, 15.10.2002

Mit großer Hingabe

Erlanger Grillen und Wieland Hofmann interpretierten Max Reger

Als in der Altstädter Kirche die letzten Worte des ?Nachtliedes" im zartesten Pianissimo verklangen und sich in die danach eintretende Stille fortsetzten, brauste endlich der Beifall auf, den die phänomenale Leistung des Kammerchors Erlanger Grillen und ihres Leiters Joachim Adamczewski verdienten.

Im Rahmen der Erlanger Bachwoche sangen sie, unterbrochen von Wieland Hofmann an der Orgel, mit seinen fulminanten Reger-Interpretationen, ein reines Reger-Programm. Damit sollte die Verbindung von Max Reger zu Bach im Bereich der Kirchenmusik verdeutlicht werden. Dass die Reger'sche Chormusik in ihrem Ausdruck große Chormusik ist, in ihren Ansprüchen an die Aufführung aber die meiste Chormusik noch übertrifft, wissen nur Kenner. Um so erstaunlicher und beeindruckender war es, wie Joachim Adamczewski mit den 38 Sängerinnen und Sängern seines Kammerchors die Werke deutete.

Es begann mit einem überwältigend reinen und leisen Einsatz des Basses bei der Motette ?Mein Odem ist schwach" für achtstimmigen Chor. Die große Ruhe des Anfangs setzte sich fort in dem Aufbau der Stimmen, die völlig ausgewogen und mit einem einheitlichen Stimmklang die Worte deuteten, so dass z.B. bei der Aussage ?das Grab ist da" vom Klang her der Blick in das Innere des Grabes gerichtet wurde.

Sichere Intonation

Bestach der Anfang der schon durch eine absolute Intonationssicherheit auch in den wunderbar leisen Abtönungen, so glänzte der Chor erst recht in den beiden schnellen Teilen, die auf Grund der Modernität des Chorsatzes von den Sängerinnen und Sängern höchste Präzision und Konzentration verlangten, bis hin zu der Doppelfuge mit äußerst schwerer Chromatik, um dann in einer großen Steigerung den Trost in Todesnot ?Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebet" als feste Glaubenszuversicht zu verkündigen. Hier erwies sich Joachim Adamczewski über den musikalischen Gehalt hinaus als Interpret tiefster religiöser Inhalte.

Auch in der zweiten großen Motette ?O Tod, wie bitter bist du" bestätigte sich dieser Eindruck. Der Chor ließ in seiner Präzision, Intonation und klaren Diktion in keiner Weise nach. Ein Todesgemälde entstand in den fahlen Klängen, die die Bitternis des Todes existentiell verdeutlichten. Im Gegenzug dazu erklang der zweite Teil ?O Tod, wie wohl tust du" wie eine Erlösung, der man sich, dem wunderbar meditativen Klang der Stimmen ausgesetzt, einfach hingeben konnte.

Werk- und wortgetreu

Auch die drei ?Geistlichen Gesänge" aus op. 138, die am Schluss erklangen, unterstrichen noch einmal, mit welcher Hingabe, mit welcher Leistungsfähigkeit der Chor das Chorwerk Max Regers darbot, so dass ganz große Chormusik entstand, die werk- und wortgetreu und mit letzter Einfühlsamkeit Max Reger in eine Linie mit den großen Motetten von Johann Sebastian Bach stellte. Joachim Adamczewski gebührt das Verdienst, zusammen mit den anderen bestehenden Chören Erlangen zu einer Stadt der Chormusik auf hohem Niveau gemacht zu haben. [?]

 

 

Altmühl-Bote, 10.08.2002

Vollendete Darbietung

[...] Das Konzert wurde zum wohl außergewöhnlichsten und überwältigendsten in dieser Sommerreihe, und es hätte keinen würdigeren Rahmen finden können als die schlicht wießgetünchte Kirche in Aha, ohne jeden Bildschmuck, dafür aber auf das Wesentliche hinlenkend: Altar und Kanzel in schwarz und gold.

Die "Erlanger Grillen" traten zum dritten Mal in Gunzenhausen auf und rechtfertigten aus Erfahrung hohe Erwartungen. Worauf sie sich diesmal eingelassen haben, übertraf an Schwierigkeit alles Bisherige. Chormusik a-capella der Romantiker Brahms und Reger ? zumal im emotionsgeladenen Themenkreis Tod und Vergänglichkeit ? führt einen Chor an die Grenzen des Möglichen, gibt ihm aber auch die Chance, die Brillanz seines Könnens auszubrieten. Das hat der Chor getan.

Seine Vorzüge, Reinheit der Intonation, Wohlklang der Stimmen, Disziplin der Dynamik und volle Präsenz des Chors verlangte Johannes Brahms (1833 bis 1897) vom ersten Einsatz an in seinen drei Motetten. "Ich aber bin elend" - "Ach arme Welt, Du trügest mich" - "Wenn wir in höchsten Nöten sein". Die Interpretationen des Chors gehen dem Zuhörer unter die Haut. [...]

Mit dieser Zusicherung und Regers Abendlied "Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen", voll Sehnsucht nach Geborgenheit entließen die "Grillen" ihre Zuhörer aus diesem herausragenden Konzert.

 

 

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