
Erlanger Nachrichten, 20.02.2001
Unter dem Thema "Liebe und Leben" hatte der Kammerchor Erlanger Grillen zu einem Abend mit "unterhaltsamer Chormusik der Romantik und Moderne" eingeladen, offenbar um der nicht so ernsten Jahreszeit seinen Tribut zu zollen. Was die etwa 150 Zuhörer und Zuhörerinnen im Gemeindesaal am Bohlenplatz aber vor allem im ersten Teil des Konzerts, der der Chormusik von Robert Schumann gewidmet war, zu hören bekamen, war nicht nur Unterhaltung, sondern Chormusik auf höchstem Niveau.
Der Chor brauchte kein Einsinglied, sondern begann mit den zwei Liedern nach Gedichten von Friedrich Rückert in einer hohen und ausgewogenen Gesangskultur, die den Chorleiter Joachim Adamczewski als Meister der Chorerziehung auswies. Dem kompakten und einheitlichen Chorklang kam zugute, dass die vier Stimmen in Reihen nacheinander aufgestellt waren und sich gegenseitig gut durchdrangen, auch dass Frauen- und Männerstimmen gleich stark besetzt waren, so dass keine Stimme forcieren musste, mit einer Ausnahme: In die höchsten Lagen jubelte der Sopran oft zu kraftvoll hinauf. Zu einer wahren Entdeckung geriet der Chor "Der Handschuh" nach einer Ballade von Friedrich Schiller, der mit einer Dramatik und Klarheit dargeboten wurde, so dass man in das Geschehen um die wilden Tiere, aus deren Mitte ein Ritter einen Handschuh aufhebt, voll hineingezogen wurde.
Den Höhepunkt kunstvollen Chorgesangs bildeten die sieben Lieder aus dem "Spanischen Liederspiel" op. 74. Joachim Adamczewski gelang eine kongeniale Interpretation, indem er in den ersten beiden Chören mit den zwei Frauenstimmen alle linearen und harmonischen Feinheiten der Schumann'schen Musik herausarbeitete, den Gesamtchor weit weg von aller Gefühlsseligkeit und unterhaltsamen Romantik in großen Phrasierungen und federndem Klang führte und die zwei Chormitglieder Nicole Stöhr mit ihrer ausdrucksstarken Höhe und Johannes Reinschke mit seinem baritonalen Tenorschmelz als Solisten mit je einem Lied ins musikalische Geschehen eingreifen ließ. [...]
Dann folgte die Moderne mit Kompositionen aus England, wobei aber gerade der Spätromantiker Sir Arthur Sullivan mit seinem "The Lost Chord" den stärksten musikalischen Eindruck hinterließ.
Schließlich wagte sich der Chor in die U-Musik vor mit dem Titel "Tequila Samba" und der Zugabe "Banquet Fugue" und ergötzte die begeisterte Zuhörerschaft auch da mit einem prächtigen Klang und einer modulationsfähigen klaren Diktion, so dass nach Anspruch im ersten und Unterhaltung im zweiten Teil großer und lang anhaltender Beifall Chor, Dirigenten, Pianistin und Solisten voll belohnte.