Pressestimmen

2010

Erlanger Nachrichten, 29.06.2010

Unendliche Klangweiten

Faszinierend: Geistliche Werke beim ersten Jubiläumskonzert von "Vocanta"

In 25 Jahren ist der Erlanger A-ca­pella- Chor von den "Grillen" zu "Vocanta" gewachsen, vom engagier­ten Leiter Joachim Adamczewski kom­petent zu chortechnischer Perfektion geführt. Im Jubiläumsjahr veranstaltet "Vocanta" gleich zwei Fest-Konzerte, wobei das erste am Wochenende geistliche Chormusik bot.

Was für ein Kontrast! Gerade hatte die deutsche Fußball-Elf das Stadtzen­trum in kollektiven Jubel-Taumel gestürzt, als "Vocanta" in der Neu­städter Kirche sein 25-jähriges Beste­hen mit Werken beging, die an Strenge und Schwierigkeit kaum zu überbieten sind.

Achtstimmig eröffneten die Sänger mit Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 226 "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf". Eine Aufwärm­phase gibt es hier nicht, spontan sind sämtliche Fähigkeiten präsent, wird in erstaunlicher Ruhe glasklar dekla­miert. Jede Stimme ist so sicher, dass nichts gepresst werden muss, keine Hemmungen zu überspielen sind. Aus­gesprochen eindrucksvoll auch der Sopran, der in aller Natürlichkeit per­fekte Intonation bietet und leuchten­den Glanz auf die Ensembleleistung setzt. Für Ralf Vaughan Williams' Messe in g-Moll treten die Solisten Franziska Büdke (schlanker, dennoch warmer Sopran), Renate Kaschmieder (Alt, sehr innig), Martin Platz (anfangs etwas gepresster, dann hell strahlender Tenor) und Felix Rathge­ber (Bass, sehr gut zum Gesamtklang passend nicht zu dunkel) zum A-ca­pella- Chor.

Gemeinsam schafft man unendliche Klangweiten, die sich in die verschie­densten Richtungen bewegen und ent­wickeln. Sehr detailliert abgewogen erwachsen dynamische Schattierun­gen und harmonische Tongebilde, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen. Adamczewski äußert seine Wünsche an das Vocal-Ensemble mit großer Bewegung, überrascht dieses aber nie, sondern erfüllt eher dessen identische Interpretations-Vorstellung. Da ent­steht eine Einheit, die zu besonderer Intensität der Darbietung führt.

Einfühlsame Cellistin

Zum Jubiläum ein Stabat Mater, dazu entscheidet sich nicht jeder Klangkörper - "Vocanta" möchte man dafür danken! Knut Nystedt hat sich, wie manch anderer Komponist, mit der Situation der Mutter Maria am Kreuz ihres Sohnes auseinanderge­setzt und aus den Kehlen von "Vocanta" erklingt nun das Leid die­ser Frau, der ganzen Welt in eindring­licher Intensität. Kaja Kuen, die ein­fühlsame Cellistin aus Erlangen, gibt diesem Elend mit ihrem technisch per­fekten Spiel eine zusätzliche Stimme - komponiertes, gesungenes, gespiel­tes Ende der Welt...

Nachtlieder sind in der Romantik auch tendenziell auf den Tod und die Hoffnungslosigkeit gerichtet. Zwei Nachtlieder schuf Joachim Adam­czewski für vierstimmigen Chor und Cello nach Gedichten von Hermann Hesse. "Vocanta" sind sie auf den Klangkörper geschrieben, denn auch hier werden feinste dynamische, rhythmische und Ausdrucksnuancen verlangt. Die Lautmalerei gipfelt in den Regentropfen des Cello-pizzicato. Hatte bei diesem Konzert die sänge­rische Leistung, die gestalterische Erarbeitung jedes kleinsten Details grenzenlos beeindruckt, so bot beson­ders der dritte von Johannes Brahms' Fest- und Gedenksprüche op. 109 für achtstimmigen Chor a capella dann doch noch eine Ahnung von Jubel, der aber auch wieder mit großem Ver­ständnis aus verschachtelten Kon­struktionen herausziseliert wurde.

Sehr stark, voller Bewunderung war der Applaus für dieses schwere, doch faszinierende Konzert. Wie unterschiedlich man doch fei­ern kann.

CORA UITTING

 

 

Nordbayerische Nachrichten, 11.05.2010

Ausklang mit Cello



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Elke Seyb

 

 

Der Fränkische Tag, 20.03.2010

Herausragende Stimmen betörten in der Martinskirche

Der Chor "Vocanta" trat in Forchheim auf. Passion und Auferstehung waren die Themen.

Heuer feiert der Erlanger Chor "Vocanta" 25-jähriges Bestehen. Die vormalige, etwas volkstümliche Bezeichnung des Chors - "Erlanger Grillen" - wurde vor einiger Zeitgegen den anspruchsvolleren Begriff "Vocanta" eingetauscht.

Auf dem Jubiläumsprogramm stehen Konzerte verschiedenster Thematik an mehreren Orten Frankens, von denen eines unter dem Motto "Passion und Auferstehung" in der St. Martinskirche in Forchheim zum Vortrag kam. Auch diese Veranstaltung unter der Leitung von Joachim Adamczewski bestätigte wieder die anerkennende Feststellung eines Kritikers: "Stimmbänder als betörendes Instrument".

Nicht angemessen

Bedauerlicherweise gab eine unförmig und lieblos gestaltete Programmvorlage keine Auskunft über die Namen des Chorleiters, der Solisten oder des Organisten; noch klärte sie über exaktere Definitionen wie Choral, Kantate, Motette oder anderes auf.

Mit sauberem Sopraneinsatz und den unmittelbar darauf folgenden anderen Stimmen wurde mit dem fünfstimmigen "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz (1585-1672) eine gute Anfangsnote gesetzt. Der Hymnus "In adventu Domini", ein gregorianischer Gesang vom Renaissance- Komponisten Guillaume Dufay (1400- 1474) ist natürlich für gemischten Chor musikalisch reicher gestaltet als uns das von den andächtigen, aber doch monotonen Mönchsgesängen her bekannt ist. Hugo Distler (1908-1942), der gebürtige Nürnberger, schuf einen neuen Stil der evangelischen Kirchenmusik, der - wie im Konzert im "Fürwahr, er trug unser Krankheit" zum Ausdruck kam - sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Musikcharaktere verbindet.

Schlicht und doch innig

Kirchenorganist Reichel verstand es, die Einfachheit eines Bach-Chorals wie "Mensch bewein dein Sünde groß" zur Geltung zu bringen und die dadurch dem Schlichten oft anhaftende Innigkeit zu vermitteln.

Das "Kyrie eleison", von Ralph Vaughan Williams (1872- 1958) komponiert und vom Chor und vier jungen Solisten aus der Chorgemeinschaft gesungen, klang beeindruckend mit einem Hauch von mehrstimmiger Klangharmonie aus. Eine besondere Herausforderung für Dirigent und Chor war Bachs, von zwei vierstimmigen Chorgruppen gestaltete "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf". Der zumTeil spielerisch wirkende "Echogesang" der acht Stimmen ließ vorausgegangene, intensive Chorarbeit erahnen.

Nach dem Orgelspiel "Fantasie in c-moll" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) erklang das "Pater noster" von Jacobus Gallus (1550-1591), in dem sich das musikalische Kernthema stimmenspezifisch wiederholte. Gerald Fink, 1969 geboren, schuf mit seiner Komposition "Von Jahr zu Jahr" ein modernes Werk mit zarten und harmonischen Klangpartien.

Höhepunkt des Konzerts könnte Anton Bruckners "Locus iste" gewesen sein, das nicht nur in seiner ergreifenden Art, sondern auch durch die einfühlsame Vortragsweise beeindrucken musste.

Johannes Brahms (1824- 1897), einst mit Anton Bruckner befreundet, schuf mit seinem "Wo ist ein so herrlich Volk" - für achtstimmigen, gemischten Chor bestimmt - ein Werk, das für einen würdigen Konzertabschluss sorgte.

Eberhard Heiser

 

 

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