
Der Fränkische Tag, 20.03.2010
Heuer feiert der Erlanger Chor "Vocanta" 25-jähriges Bestehen. Die vormalige, etwas volkstümliche Bezeichnung des Chors - "Erlanger Grillen" - wurde vor einiger Zeitgegen den anspruchsvolleren Begriff "Vocanta" eingetauscht.
Auf dem Jubiläumsprogramm stehen Konzerte verschiedenster Thematik an mehreren Orten Frankens, von denen eines unter dem Motto "Passion und Auferstehung" in der St. Martinskirche in Forchheim zum Vortrag kam. Auch diese Veranstaltung unter der Leitung von Joachim Adamczewski bestätigte wieder die anerkennende Feststellung eines Kritikers: "Stimmbänder als betörendes Instrument".
Nicht angemessen
Bedauerlicherweise gab eine unförmig und lieblos gestaltete Programmvorlage keine Auskunft über die Namen des Chorleiters, der Solisten oder des Organisten; noch klärte sie über exaktere Definitionen wie Choral, Kantate, Motette oder anderes auf.
Mit sauberem Sopraneinsatz und den unmittelbar darauf folgenden anderen Stimmen wurde mit dem fünfstimmigen "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz (1585-1672) eine gute Anfangsnote gesetzt. Der Hymnus "In adventu Domini", ein gregorianischer Gesang vom Renaissance- Komponisten Guillaume Dufay (1400- 1474) ist natürlich für gemischten Chor musikalisch reicher gestaltet als uns das von den andächtigen, aber doch monotonen Mönchsgesängen her bekannt ist. Hugo Distler (1908-1942), der gebürtige Nürnberger, schuf einen neuen Stil der evangelischen Kirchenmusik, der - wie im Konzert im "Fürwahr, er trug unser Krankheit" zum Ausdruck kam - sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Musikcharaktere verbindet.
Schlicht und doch innig
Kirchenorganist Reichel verstand es, die Einfachheit eines Bach-Chorals wie "Mensch bewein dein Sünde groß" zur Geltung zu bringen und die dadurch dem Schlichten oft anhaftende Innigkeit zu vermitteln.
Das "Kyrie eleison", von Ralph Vaughan Williams (1872- 1958) komponiert und vom Chor und vier jungen Solisten aus der Chorgemeinschaft gesungen, klang beeindruckend mit einem Hauch von mehrstimmiger Klangharmonie aus. Eine besondere Herausforderung für Dirigent und Chor war Bachs, von zwei vierstimmigen Chorgruppen gestaltete "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf". Der zumTeil spielerisch wirkende "Echogesang" der acht Stimmen ließ vorausgegangene, intensive Chorarbeit erahnen.
Nach dem Orgelspiel "Fantasie in c-moll" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) erklang das "Pater noster" von Jacobus Gallus (1550-1591), in dem sich das musikalische Kernthema stimmenspezifisch wiederholte. Gerald Fink, 1969 geboren, schuf mit seiner Komposition "Von Jahr zu Jahr" ein modernes Werk mit zarten und harmonischen Klangpartien.
Höhepunkt des Konzerts könnte Anton Bruckners "Locus iste" gewesen sein, das nicht nur in seiner ergreifenden Art, sondern auch durch die einfühlsame Vortragsweise beeindrucken musste.
Johannes Brahms (1824- 1897), einst mit Anton Bruckner befreundet, schuf mit seinem "Wo ist ein so herrlich Volk" - für achtstimmigen, gemischten Chor bestimmt - ein Werk, das für einen würdigen Konzertabschluss sorgte.
Eberhard Heiser